Der Weg von der Gewinnung bis zum Recycling am Beispiel eines Handys
Wo kommen Rohstoffe her und wie ist der steigende Rohstoffbedarf mit dem Schutz unseres Planeten zu vereinbaren?
Mit dieser Frage beschäftigte ich, Franziska Kemper, mich gemeinsam mit 16 anderen Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland im MINT-EC-Camp „Sustainability in Resource Engineering – Der Weg von der Gewinnung bis zum Recycling am Beispiel eines Handys“ vom 19.05. bis 22.05.2026 an der RWTH in Aachen.
Allgemein ging es darum, woher Rohstoffe kommen, wie sie gewonnen werden und wofür sie gebraucht werden. Außerdem erfuhren wir, wie es möglich ist Produkte, insbesondere Elektroschrott, zu recyclen.
Das Camp begann mit einem Kennenlernen und einer Campusführung. Danach wurde uns ein Vortrag über das Auffinden und den Abbau von Rohstoffen gehalten. Wir lernten, dass im Laufe der letzten Jahrhunderte eine immer vielfältigere und größere Menge an Rohstoffen als Grundlage für unseren Alltag gebraucht wird und das der Bergbau enorm wichtig ist, um die Bevölkerung mit Rohstoffen zu versorgen. Im Durchschnitt nutzt jeder Deutsche 13,2 t Rohstoffe pro Jahr, darunter vor allem Sand, Kies und Erdöl, aber auch Gips, Ton oder Stahl. Durch neue Technologien und steigenden Wohlstand steigt diese Zahl weiter.
Als Beispiel sind in einem Handy ungefähr 60 bis 70 Rohstoffe verbaut, davon ca. 30 Metalle. Viele von diesen Rohstoffen sind nur in bestimmten Ländern verfügbar, beispielsweise werden die sogenannten seltenen Erden nur in China abgebaut. Ein Handy hat also eine komplexe Zusammensetzung aus vielen unterschiedlichen Materialien.
Am zweiten Tag des Camps haben wir das Braunkohlekraftwerk der RWE in Niederaußem besucht. Zuerst informierte uns ein Mitarbeiter der RWE über die vielfältigen Arbeitsbereiche des Unternehmens allgemein und über den Standort in Niederaußem im Speziellen. Anschließend erhielten wir eine Führung durch das Kraftwerk. Das war sehr interessant und beeindruckend. Wir haben uns die riesigen Kühltürme von außen angeguckt, durften einen Blick in die Steuerzentrale werfen, haben gesehen, wo die CO₂-Wäsche stattfindet, und sind über dem Kondensator hergelaufen. Dort waren es ungefähr 50°C. Abschließend durften wir oben auf den Block gehen, der ungefähr 170 m hoch ist. Von dort hatte man einen sehr guten Blick auf die Umgebung, man könnte sogar den Kölner Dom erkennen.
Bilder (Ausblick und Turm) unten zu sehen
Am Nachmittag und Abend hatten wir noch Zeit zur freien Verfügung. Ich bin mit ein paar anderen aus der Gruppe nach Aachen gegangen und habe beispielweis den Dom besucht.
Am nächsten Tag wurden uns wieder Vorträge gehalten. Diese wechselten sich mit praktischen Aktivitäten ab. Zuerst unterhielten wir uns über moderne Technologien und Anwendungen der Rohstoffgewinnung, sowie über den Begriff der Nachhaltigkeit.
Das Wort „Nachhaltigkeit“ wurde erstmal 1713 von dem Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz verwendet, stammt also aus dem Bergbau. Es beschreibt das Gleichgewicht zwischen Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Dadurch, dass die Wahrnehmung der Gesellschaft bezüglich des Bergbaus ziemlich negativ ist, scheint Nachhaltigkeit und Bergbau nur schlecht vereinbar. In Wirklichkeit wird der Bergbau jedoch ständig verbessert und an Fortschritten gearbeitet. Beispielsweise wird viel darüber geforscht, wie ein autonomer Untertagebau aussehen kann und wie die dafür notwendigen Kommunikationstechnologien ausgebaut werden können. Zusätzlich wird heutzutage viel Wert auf die Renaturierung von Tagebauen gelegt, wodurch zum Beispiel Seen entstehen, die sowohl der Artenvielfalt als auch dem Menschen dienen können.
Der nächste Vortrag war über die Mechanische Aufbereitung und die sensorgestützte Sortierung von Elektroschrott, der recycelt werden soll. Nach einem theoretischen Teil wurden uns die Maschinen zum Zerkleinern und Trennen von Elektroschrott gezeigt. Hierbei wird nach Magnetismus, Leitfähigkeit oder Form und Dichte getrennt. Dazu gibt es verschiedene Geräte.
Bilder unten zu sehen (Maschinen)
Der dritte Vortrag beschäftigte sich mit dem thermischen Recyclen. Das bedeutet, dass man die sogenannte Pyrolyse nutzt, um Stoffe voneinander zu trennen. Hierbei werden Stoffe, wie Biomasse oder Elektroschrott, unter Ausschluss von Sauerstoff stark erhitzt, sodass die flüchtigen Bestandteile freigesetzt werden. Zurück bleiben Gase, Öle und feste Bestandteile. Diese Produkte können dann zur Produktion neuer Kunststoffe, als Aktivkohle in Hygieneprodukten und als Energiequelle genutzt werden. Dies ist jedoch bei Elektroschrott nicht sinnvoll, da dies sehr gefährlich und gesundheitsschädlich ist.
Nach dem Vortrag besuchten wir ein Labor und beobachteten bei einem Versuch, dass die Masse der Edukte durch die Pyrolyse deutlich abnahm.
Zuletzt wurde uns ein Vortrag über die Aufbereitung von Sand gehalten. Wir lernten, dass auch für erneuerbare Energien Bergbau betrieben werden muss, da beispielsweise für Windräder Unmengen an Stahl, Beton, Kunststoff, Kupfer und Ähnlichem benötigt wird. Auch Sand wird für viele Dinge wie zur Betonherstellung gebraucht. Es gibt verschiedene Verfahren, um bestimmte Rohstoffe aus Gesteinen zu gewinnen. Man kann das Gestein zu Pulver zerkleinern und anschließend die Dichte nutzen und so bestimmte Bestandteile chemisch abtragen. Eine weitere Möglichkeit ist der Schüttelherd, der zum Beispiel bei der Goldgewinnung genutzt wird, hier wird nach Dichte und Korngröße getrennt. Wir erhielten Einblicke in das Labor und Technikum und konnten selbst, mithilfe von runden zur Mitte hin spitz zulaufenden Tellern, Gold aus Sand schöpfen und von anderen Bestandteilen trennen.
Bild (Schüttelherd) unten zu sehen
Am letzten Tag wurde darüber informiert, was Studieren überhaupt bedeutet, welche Möglichkeiten es allgemein und speziell an der RWTH Aachen gibt und dass man auch Nachhaltigkeit studieren kann. Danach stellten wir Schüler in Gruppen unsere Präsentation, die wir am Abend zuvor erstellt hatten, vor den Personen, die uns die Vorträge gehalten haben, vor. Jede Gruppe hatte das Thema eines Vortrages und präsentierte, was wir gelernt haben. Abschließend gab es eine Feedbackrunde als gemeinsamen Abschluss.
Das MINT-EC-Camp war eine tolle Möglichkeit sowohl mein Wissen zu erweitern als auch neue Leute kennen zu lernen und interessante Erfahrungen zu sammeln. Ich kann jedem empfehlen an einem Camp teilzunehmen, da es einem in jeder Hinsicht weiterhelfen kann, selbst wenn man merkt, dass das Thema nichts für einen ist.
Zudem ist das Thema dieses Camps besonders wichtig, da es auf der Erde nicht unendlich viele Rohstoffe gibt, weshalb wir unser Konsumverhalten überdenken sollten und zum Beispiel durch richtige Mülltrennung oder das Abgeben alter ungenutzter Handys an Recyclingfirmen einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten können.
Bild (Gebäude) unten zu sehen
Von Franziska Kemper, 27.05.2026